Gemeindeversammlung zum Immobilienkonzept

Einladung im Gemeindebrief Aug. - Nov. 2018

Einladung im Gemeindebrief Aug. - Nov. 2018

Eingeladen hatte der Kirchengemeinderat mit einer großen Anzeige seit August des Jahres im Gemeindebrief, gekommen waren zur Gemeindeversammlung am 1. Oktober 2018 ca. 50 interessierte Gemeindeglieder oder Mieter von Immobilien der Kirchengemeinde, die persönlich angeschrieben wurden. Es gab Informationen zu den Hintergründen, zum Stand der Planungen und einen Ausblick über die Zukunft der ganz unterschiedlichen Immobilien der Kirchengemeinde.

Einführung

In seiner Begrüßung wies der geschäftsführende Pfarrer Hartmut Zweigle auf den drastischen Rückgang der Gemeindegliederzahlen in Feuerbach und die damit verbundene Kürzung von früher 8 Pfarrstellen auf künftig nur noch 3 hin. Damit habe sich auch der Bedarf an Gebäuden verändert, der in den vergangenen Jahren intensiv im Kirchengemeinderat diskutiert wurde. In seiner kommenden Sitzung am 17. Oktober  werde der Kirchengemeinderat Entscheidungen auf der Grundlage dieser Diskussionen treffen, zu der auch der Austausch in der Gemeindeversammlung gehört.

Pfr. Zweigle dankte besonders dem Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen, das im Auftrag des Kirchengemeinderats in den vergangenen Monaten das Immobilienkonzept vorbereitet hat, namentlich besonders Herrn Siggi Hauer aus der Kirchengemeinde für die gelungene Prozesssteuerung sowie den Herren Christoph Alber, (Systemischer Berater) und Sebastian Läpple (Architekt und Bauökonom) sowie Jan-Sebastian Herrmann, die als externe Berater der Landeskirche aus dem Projekt "Struktur, Pfarrdienst und Immobilien" (SPI) den Prozess begleitet haben.

Hintergründe

Zum Hintergrund für die anstehenden notwendigen Entscheidungen wies die gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats Karen Wittmershaus auf die historische Entwicklung des Stadtteils seit dem 19. Jahrhundert hin. Mit dem Einsetzen der Industrialisierung gab es ein stetiges Wachstum von Feuerbach, verstärkt nach dem 2. Weltkrieg durch weiteren Zuzug und den Baby-Boom. Seit Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hat sich diese Tendenz ins Gegenteil verkehrt und auch die Gemeindegliederzahlen der Evangelische-Kirchengemeinde gehen stetig zurück.

In kurzen Stichworten zählte die Diplom-Ingenieurin und gelernte Stadtplanerin die bisherigen Stationen bei der Entwicklung des Immobilienkonzepts der Kirchengemeinde seit dem Zusammenschluss von früher vier rechtlich selbstständigen Gemeinden zu einer Kirchengemeinde Feuerbach im Jahr 2005 auf:

  • 2009 Grundsatzbeschluss des KGR zu künftig 2 Standorten in Feuerbach, einer davon Stadtkirche.
  • 2010 Beschluss, die Räume an der Gustav-Werner-Kirche zu erhalten und die anderen aufzugeben. in der Folge wurden die Räume der Föhrichkirche und der Lutherkirche vermietet, wodurch eine geringe weitere Nutzung möglich wurde.
  • 2013 Wahlen zum Kirchengemeinderat und Einarbeitung des neuen Gremiums in das Thema.
  • 2016 Intensiver Beginn der Beratungen zum Immobilienkonzept mit externer Beratung durch das Projekt SPI der Landeskirche mit Bestandserhebung und Ermittlung des zu erwartenden Sanierungsbedarfs.
  • 2017 März. Klausurwochenende des Kirchengemeinderats mit dem Konsens, künftig die Stadtkirche und das zugehörige Gemeindehaus sowie die Kindergärten und das Waldheim Lindentäle zu erhalten.
  • Seit 2017 Eine regelmäßig tagende Arbeitsgruppe gemeinsam mit den Fachleuten des Projekts SPI sowie eine Gemeindeversammlung im Dezember 2017 erarbeiteten Schwerpunkte für die Planung
  • Seit Mai 2018 Die Kirchengemeinde übernahm die Trägerschaft für die Willkommensräume neben der Lutherkirche mit der Möglichkeit, dort auch eigene Veranstaltungen durchzuführen.

Für die Zukunft der Pfarrhäuser und -wohnungen wurde beschlossen, künftig die Pfarrhäuser an der Stadtkirche und an der Gustav-Werner-Kirche sowie das Pfarrhaus Bubenhaldenstraße für die künftige Neuordnung der Pfarrbezirke nach Kürzung einer weiteren Pfarrstelle zu erhalten.

Neubau

Als Ergebnis all dieser Vorbereitungen und Diskussionen sei der Neubau eines Gemeindehauses neben der Stadtkirche geplant, das auch über den Bereich der Kirchengemeinde hinaus offen sein soll, so Karen Wittmershaus weiter. Dafür wurde durch die Architekten des Projekts SPI der Landeskirche eine Machbarkeitsstudie erstellt. Eine detaillierte Bedarfs- und Raumplanung stehe jedoch noch bevor.

Zur Finanzierung dieses Vorhabens muss die Kirchengemeinde andere Immobilien veräußern. Dazu gehören nicht nur Kirchen und Gemeindehäuser, sondern auch Wohnimmobilien aus dem Eigentum der Kirchengemeinde. Darüber soll in der Sitzung des KGR am 17. Oktober 2018 beraten und beschlossen werden. Anschließend soll der Grundsatzantrag für einen Neubau des Gemeindehauses neben der Stadtkirche beim Oberkirchenrat gestellt werden.

Machbarkeit

Mit einer umfangreichen Präsentation stellte der Architekt der Beratergruppe, Sebastian Läpple, die Erwägungen zu den baurechtlichen und architektonischen Möglichkeiten für einen Neubau neben der Stadtkirche vor. Er wies darauf hin, dass bei Einhaltung der Vorgaben der Landeskirche Zuschussmöglichkeiten für einen Neubau bestehen.

Die Präsentation zeigte denkbare Grundrisse sowie Alternativen sowie Beispiele von Neubauten im Bereich der Landeskirche in jüngerer Vergangenheit.

Als erste Kostenschätzung errechnete das Projektteam einen Rahmen von ca. 3,3 Millionen Euro für ein Gemeindehaus mit einer Größe von ca. 780 Quadratmeter - ohne den Neubau der beiden Wohnungen, die nach dem Abriss des alten Gemeindehauses wegfallen. Die näheren Einzelheiten müssten nach Genehmigung des Grundsatzantrags in der Detailplanung geklärt werden.

Finanzierung

Kirchenpfleger Ralph Hägele, als Hauptamtlicher für die Finanzen und Verwaltung der Kirchengemeinde zuständig, berichtete zunächst über den Stand der aktuellen Baumaßnahmen mit dem abgeschlossenen Umbau im Kindergarten an der Gustav-Werner-Kirche. Die geplanten Reparaturen am Kirchturm der Stadtkirche verzögere sich bis Anfang 2019 und die geplante Generalsanierung im Pfarrhaus Bubenhaldenstraße solle ebenfalls 2019 beginnen. Die schlechte Bausubstanz nach dem Zukauf von Gebäude und Gelände des Homoöpathischen Vereins im Waldheim Lindentäle vor 10 Jahren mache auch dort künftig umfangreiche Renovierungsmaßnahmen nötig. Auch das Wohn- und Verwaltungsgebäude an der Wiener Str. 155 erfordere in Zukunft einen Eigenanteil der Kirchengemeinde von ca. 250.000 Euro.

Insgesamt, so Hägele, stehe die Kirchengemeinde vor erheblichen finanziellen Herausforderungen durch den Sanierungs- und Renovierungsbedarf ihrer Immobilien.

Für die Finanzierung des Neubaus neben der Stadtkirche könne die Gemeinde Zuschüsse der Landeskirche sowie des Kirchenbezirks erwarten, so dass der Eigenanteil an den Kosten von 3,3 Millionen Euro noch ca. 2,5 Millionen Euro beträgt.

Aufgrund der Vorgaben der Landeskirche könne aber erst dann mit einer Detailplanung durch einen beauftragten Architekten begonnen werden, wenn die Gemeinde die Hälfte ihres Eigenanteils, also 1,25 Millionen Euro vorweisen kann. Dafür habe sich im Kirchengemeinderat eine Fundraising-Gruppe gebildet mit dem Ziel, einen Betrag von 500.000 Euro durch Spenden zu erbringen. Die weiteren Beträge sollen durch den Verkauf von Mietwohnungen und Gemeindehäusern aufgebracht werden. Die eventuell betroffenen Mieter wurden bereits im Vorfeld unterrichtet.

Gourmet-Brötchenhälften und Aussprache

Im Anschluss erwartete die Teilnehmer ein Buffet mit "Gourmet-Brötchenhälften classic" (Beschreibung der Catering-Firma Eisenmann aus Zuffenhausen) sowie Getränken. Schon dabei entstanden lebhafte Gespräche und Diskussionen, die dann in Gruppen gemeinsam mit Vertretern des Kirchengemeinderats fortgesetzt wurden.

Moderator Christoph Alber hatte dafür Zettel mit der Leitfrage "Was muss weiter bedacht und geklärt werden?" verteilt, auf denen Stichworte notiert werden sollten. In der anschließenden Aussprache wurden die Themen einzelner Gruppen angesprochen und es gab Einzelstimmen mit Kritik oder Wünschen.

Beispielsweise wurde aus dem Bereich des Föhrich-Bezirks kritisiert, dass beim Wegfall des bisherigen Gemeinderaums vor allem für ältere Gemeindeglieder die Wege zu lang werden. Diese Kritik wurde mit der Überlegung aufgenommen, künftig einen Fahrdienst durch die Kirchengemeinde zu organisieren. Aus dem Bereich der Mauritius-Kantorei an der Stadtkirche kam der Wunsch nach einem großen und hellen Probenraum im künftigen Neubau. Der Neubau solle auch gemütliches Beisammensein und den Einbezug der Ortsgemeinde ermöglichen.

Angesprochen wurden auch das künftige Pfarrhaus Bubenhaldenstraße als potentielles Verkaufsobjekt sowie eine  Verlagerung der Verwaltung in die neuen Räume an der Stadtkirche und weitere Auswirkungen der geplanten Verkäufe auf die Gruppen und Veranstaltungen der Kirchengemeinde sowie die eventuelle Umsetzung. Weitere Stichworte waren u. a.: Ausreichend Parkplätze für PKW und Fahrräder, Ladestationen, Barrierefreiheit, Fahrdienst, künftige Aufteilung der Gemeindegruppen auf die verbleibenden Räume und Gebäude,  Waldheim, Planung des Gemeindelebens während der Baumaßnahmen ...

Bei der Veräußerung von Wohnimmobilien sollten die Auswirkungen auf die Mieter beachtet werden; Verkauf nicht unbedingt an Meistbietenden. Außerdem stellte sich die Frage der Zusammenarbeit der Willkommensräume mit der evangelischen Kirche, wenn der Sakralraum der Lutherkirche ggf. nicht mehr zur Verfügung steht.

Impressionen:

Ausblick

Für das Projektteam betonte Siggi Hauer zum Abschluss, dass alle Anregungen und Diskussionsbeiträge der Gemeindeversammlung aufgenommen und thematisch geordnet an den Kirchengemeinderat für Beratung und Detailplanung weiter gegeben werden.

Falls ein Beschluss des Kirchengemeinderats am 17. Oktober 2018 erfolgt, seien die nächsten geplanten Schritte:

  • Information der Gemeinde (und der evtl. betroffenen Mieter).
  • Grundsatzantrag beim Oberkirchenrat - Genehmigung bis Dez. 2018 erwartet.
  • Vor Architektenbeauftragung: Erwirtschaftung der 50 % Eigenmittel von 1,25 Millionen Euro durch Verkauf der Immobilien im Lauf des Jahres 2019.
  • Parallel dazu Erarbeitung des Raumkonzepts für den Neubau.
  • Baubeginn könnte 2020 sein.

Pfr. Hartmut Zweigle dankte danach dem Kirchengemeinderat und den Teilnehmern für ihr Vertrauen. Zum Schluss stimmte die Gemeindeversammlung unter Leitung von Kantorin Christine Marx dreistimmig den Kanon "Herr bleibe bei uns"  an und beschloss damit den Abend.