Aus der Geschichte des Föhrich-Chors

Der Chor der Föhrichgemeinde
(aus der Festschrift zum Jubiläum im Jahr 2000)

Was wäre unsere Föhrichkirche, die heuer 70 Jahre alt wird, ohne ihren Chor?

Schon 66 Jahre lebt der Chor der Föhrichkirche. Er hat im vergangenen Jahr sein 65jähriges Jubiläum begehen dürfen unter dem Psalmwort: "Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder".

66 Jahre Singen zum Lob und Preis des Herrn, 66 Jahre mit der Stimme dem Herrn dienen allezeit. In Diktatur und Unfreiheit, in Krieg und Zerstörung, in Hunger und Not, im Wiederaufbau und Wirtschaftswunder, in Wohlstand und Überfluss, in Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise - "sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein".

Nach seiner Gründung im Jahre 1934 war der Chor stets von treuen Sängerinnen und Sängern getragen, die keine Mühe und keine Zeit scheuten, um im Chor sein zu können.

Ein Mitbegründer des Chores und über 19 Jahre auch dessen Leiter, Eduard Schultz, durfte beim 60jährigen Jubiläum noch dabei sein, und Herr Helmut Kleiner, Tenor, ebenfalls Mitbegründer des Chors, erlebte noch das Jubeljahr "65 Jahre Chor der Föhrichkirche". Beiden ist der Chorgesang ein Herzensanliegen gewesen, bis aus Altersgründen ein Mitsingen nicht mehr möglich war. Ihrem Vermächtnis, mit Singen Gott zu dienen, hält der Chor die Treue.

Stellvertretend für viele treue und langjährige Chormitglieder sei an die Sängerinnen Berger, Burkhardsmaier, Eppinger, Farian, Renninger, Rieger, Luckau, Schwarz, Schäfer und Zeeb und an die Sänger Götz, Kleiner, Walter, Haas, Krumrey, Truba und Walliser, sowie an die Ehepaare Becker, Schneider, Schöler und Hägele, Sängerinnen Hurst, Streib und an das Pfarrersehepaar Reusch erinnert. Sie haben in guten und schlechten Zeiten dem Chor der Föhrichkirche über viele Jahre angehört, mit dem Chor gelebt und ihn sehr wesentlich geprägt. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch zahlreiche junge Chorsängerinnen, die trotz Familie und kleinen Kindern lange Zeit zum Singen kamen.

Die Ende der vierziger und anfangs der fünfziger Jahre im "Karlsschüle" in der Grazer Straße veranstalteten und von allen Feuerbacher Kirchen getragenen "Singwochen", die für alle beteiligten Gemeinden damals noch ein herausragendes Ereignis darstellten, aktivierten unter der Leitung von Frau Kendel auch den Chorgesang an unserer Kirche. Doch viele Sängerinnen und Sänger kamen und gingen im Laufe der Zeit wieder. Berufliches oder Familiäres oder gar der Wegzug von Feuerbach mögen die Gründe gewesen sein. Der Chor blieb, wenn auch verhältnismäßig klein, auch in manchen Krisen weiterbestehen.

Während über lange Jahre der "Gölz" (weil der durch den häufigen Gebrauch arg mitgenommen und zum Teil zerfleddert war, hat ihn damals der Buchbindermeister und Chormitglied Götz wieder ordentlich eingebunden) und einige Hefte mit "Chorsätzen alter Meister" und das "Gesellige Chorbuch" unsere Notengrundlagen waren, hat heute der Chor einen umfangreichen Notenfundus neuer und alter, bekannter und unbekannter Meister, und auch viele Kompositionen seiner Chorleiter und Chorleiterinnen sind mit dabei.

Jeder der 17 Chorleiter seit seiner Gründung brachte dem Chor immer wieder etwas Neues bei und sorgte für eine solide Stimmbildung. Die meist jungen Chorleiter brachten auch modernes Liedgut in den Chor.

Die Gemeindeglieder erinnern sich gewiss zuerst an die schon Tradition gewordene Mitgestaltung der Christmette am Heiligen Abend, dem Singen an den hohen kirchlichen Festtagen des Kirchenjahres, bei der Konfirmation und an die vielen kirchenmusikalischen Veranstaltungen - zuletzt im Oktober des vergangenen Jahres - an denen der Chor maßgeblich mitwirkte, die zahlreichen Kantaten und Motetten die dargeboten wurden oder auch an größere und anspruchsvollere Chorwerke wie z. B. das Magnifikat von Vivaldi, oder die Messe in G-Dur von Schubert, oder Missa brevis in C (die sogenannte Spatzenmesse) von Johann Sebastian Bach.

Auch seien die Beiträge des Chores bei Gemeindefesten, bei denen Heiteres, Geselliges und zum Teil auch Weltliches vorgetragen wurde, in Erinnerung gerufen. Bei zahlreichen Investituren, Abschieden von Pfarrern, Vikaren und Diakonen durfte der Chor nicht fehlen.

Auch an anderen Orten als unserer Föhrichkirche durfte der Chor seine Stimme erschallen lassen: mit den örtlichen Chören zusammen z. B. in der hiesigen Stadtkirche St. Mauritius (erinnert sei an den "Messias" mit Herbert Liedecke), der Pauluskirche in Zuffenhausen, der Johanneskirche in Stammheim, oder alleine z. B. in der Hospitalkirche in Stuttgart, in den Kirchen Ebhausen, Gomadingen, Engstingen, Dettingen a. d. Erms, Weiler an der Zaber und andere mehr.

Daß der Chor früher bei seinen Ausflügen in der Kirche des Zielortes den Gottesdienst mit seinem Singen bereicherte, war selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich war auch, dass der Chor seinen Mitgliedern beispielsweise zur Hochzeit, zur Taufe, zur Goldenen Hochzeit oder insbesondere zu hohen Geburtstagen - und dies vor Ort - singt, um damit das Gemeinschaftsgefühl zu bekunden. Leider war es dem Chor nicht erspart geblieben, auch bei Beerdigungen zu dienen.

Ein sehr wesentlicher Dienst des Chores ist das Singen im Krankenhaus Feuerbach. Einmal im Monat wird dort auf drei Stationen gesungen. Oft schon haben Patienten ihre Freude und ihren Dank darüber zum Ausdruck gebracht. Der Chor hat eigens für das dort verwendete Liedgut - zu dem u. a. auch Kanons gehören - eine "Krankenhausmappe" angelegt. Sie stellt nicht zuletzt auch das sofort verfügbare Repertoire des Chores dar.

Neben ernsten und oftmals sehr anstrengenden Chorproben am Montagabend und an den unvergessenen Singwochenenden wie z. B. in Schorndorf, im Stuttgarter Waldheim Frauenkopf, in Ebhausen, Gomadingen oder Bernstein - oder auch ganz schlicht und einfach im Gemeindehaus Hattenbühl, kam auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Die Chorfeste - sie waren meist nach einer gelungenen kirchenmusikalischen Aufführung - ob im hiesigen Gemeindesaal oder im Garten bei Walters, bei Iffländers oder bei Seiferts: Die Sängerinnen gaben vom Können ihrer Koch- und Backkunst ihr Bestes. Alle hatten wir Zeit uns ausgiebig zu unterhalten um uns näher kennen zu lernen.

Nicht unerwähnt sei der Abschluss der montäglichen Übungsstunden mit einem Abendlied, dem Lesen der Tageslosung und des Lehrtextes aus dem Losungsbüchlein der Brüdergemeine.

Ob der Chor der Föhrichkirche nochmals so viele Jahre seine Stimme zum Lobe und zur Ehre Gottes erschallen lassen darf?

Wollen wir es wünschen und hoffen, dass wir noch lange Zeit unserem Herrn ein neues Lied singen dürfen - auch bei den nächsten Jubeljahren.

 

"Gott mag es lenken, Gott mag es schenken - er hat's in Händen, er hat die Gnad."

 

Karl Weil (1929 - 2015)

Mitglied im Föhrich-Chor von 1947 - 2015