Das Farbfenster der Föhrichkirche

Farbfenster von 1968 in der Föhrichkirche

Das Buntglasfenster an der Südwand der Föhrichkirche trägt die Inschrift: „Gestiftet 1968 von Martin Single zum Gedenken an seinen im März 1944 in Russland gefallenen Sohn Ewald." Ursprünglich wollte Herr Single, ein Gemeindeglied aus der Tannenäckerstraße, eine dritte Glocke für die Föhrichkirche stiften, doch das wäre für den Dachreiter und die Holzkirche zuviel gewesen.

Jedem Besucher fällt dieses Fenster sofort auf, ist es doch der einzig nennenswerte Schmuck des Innenraumes, sieht man einmal vom Altar ab. Christus ist als eine königliche Gestalt dargestellt, auch wenn er keine Krone trägt. Er trägt auch keinen Heiligenschein, und doch geht eine Hoheit von ihm aus, als ob er auf einem Thron sitzen würde.

Ein violetter Sternenkranz umgibt die ganze Gestalt. „Vor dem die Sterne neigen sich ..." heißt es in einem Lied. Der Traum des Joseph ist in der Person Jesu in Erfüllung gegan-gen. Die Sterne sind so angeordnet, dass sich die Form eines mandelförmigen Ovals ergibt, eine sogenannte Mandorla.

Dass diese königliche Gestalt Jesus von Nazareth ist, der unter den Menschen gelebt und für uns Menschen gelitten hat, für uns gestorben und auferstanden ist, das wird deutlich an den Wundmalen an den Füßen, den Händen und an der Seite. Obwohl sein Körper in ein weißes Gewand gehüllt ist, bietet sich doch die Seitenwunde offen unserem Blick dar. Die Hände sind sprechend. Die rechte Hand ist erhoben, als wollte Jesus uns lehren und einladen zugleich, die linke zeigt in ganzer Größe die offene Wunde als Hinweis auf sein Wirken und Leiden. Es war für den Künstler sicher nicht leicht, dieses breite Rechteckfenster gut aufzuteilen. Er hat die Aufgabe so gelöst, dass er im unteren Teil Menschen darstellt, die aufschauen zu dem Herrn und zu der himmlischen Stadt. Denn nichts anderes will das leuchtend gelbe Geviert darstellen, als die Mauerkrone des himmlischen Jerusalem.

„Von zwölf Perlen sind die Tore an deiner Stadt; wir stehn im Chore der Engel hoch um deinen Thron." - Noch stehen wir nicht dort, sondern eher an der Seite der Menschen, deren Gesichter geprägt sind durch die Not, durch Krieg und Entbehrung; deren Kleider in (feld-)grauen, blauen und grünen Tönen gehalten sind.

Das Fenster lädt dazu ein, die Hände und die Herzen zu Gott zu erheben, der unser Gebet nicht ohne Antwort lässt. Aus der Stadt heraus bewegt sich das silberglänzende Band eines Wasserlaufes auf uns zu. Rechts und links davon ist ein Baum mit herrlichen Blüten, Blüten wie sie auch in der Stadt selbst zu sehen sind. In der Offenbarung des Johannes (Kapitel 22) ist von dem Strom des lebendigen Wassers die Rede, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes.

Auf beiden Seiten des Stromes ein Baum des Lebens, der zwölfmal Früchte trägt und dessen Blätter zur Heilung der Völker dienen. In diesem Strom sind Tropfen rot wie das Blut. Der Künstler will damit sagen: Aus den Wunden Jesu kommt für alle Menschen das Leben. „Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du für uns gestorben bist und hast uns durch dein teures Blut gemacht vor Gott gerecht und gut." Dieser Vers mag uns in den Sinn kommen. Das ist Trost auch für leidgeprüfte Menschen.

Dass Jesus selbst einen purpurroten Umhang trägt, weist ihn noch einmal als König aus. Er ist aber auch der große Hohepriester, der sein eigenes Blut und Leben gegeben hat für uns. „Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist..." (Philipper 2, 9). Wir sind dem Künstler, Adolf Saile aus Stuttgart, sehr dank¬bar für die gemalte Predigt, die er uns mit diesem Glasgemälde immer wieder hält.

Seit der Nutzung der Kirche durch die russisch-orthodoxe Gemeinde befindet sich an der Altarwand eine große Darstellung des Auferstandenen in der Mandorla, gefertigt aus Stoff und für uns ungewohnt mit einem dunklen Gesicht. Altarbild und Farbfenster zeigen dasselbe Motiv eines Christus in der Mandorla in den Bildsprachen unterschiedlicher christlicher Traditionen. Beide Bilder korrespondieren in ihrem friedlichen und ungestörten Nebeneinander und verkündigen die gleiche Botschaft unübersehbar für jeden Besucher der Kirche.

(Pfr. i. R. Bernhard Reusch und Pfarrer Günther Hauser)