Baugeschichte der Föhrichkirche

Das Neubaugebiet

Föhrichkirche während der Bauzeit

Im Jahr 1920 begann eine intensive Bautätigkeit der Stadtgemeinde Feuerbach in der damaligen Lessing- und Wielandstraße (heute Odenwald- und Donnersbergstraße). Es folgten große Mietshäuser an der Föhrichstraße und das Hochhaus. Der Architekt Friedrich Holstein war damals Stadtbaumeister. Hier war der Baugrund erschwinglich, so dass mancher auch zu einem eigenen Heim kommen konnte.

Der Feuerbacher Kirchengemeinderat machte sich schon früh Gedanken, wie dieses vom Stadtkern abgesetzte Gebiet, die „Siedlung" genannt, kirchlich versorgt werden könnte. In den Jahren 1922/23 war man aber eben dabei, die (frühere) Lutherkirche einzurichten, deren Einweihung am 15. Februar 1923 erfolgte. Doch bereits im Frühjahr 1926 konnte das Haus Wielandstraße 45 als Wohnung für einen zukünftigen Pfarrer gekauft werden. Am 14. September 1926 wurde der Bauplatz für eine Kirche an der Goethestraße (heute Steigerwaldstraße) erworben.

Sie können sich diesen Text auch laut vorlesen lassen.

Die Planung einer Notkirche

Kurz vor der Einweihung

Um rasch und kostensparend bauen zu können, trat man in Verhandlungen ein mit der Firma Schneider, Lindau, die anbot, eine Notkirche in Holzbauweise zu liefern und zu erstellen. Der Oberkirchenrat machte starke Bedenken gegen den Plan geltend. Er stimmte nicht zu, dass im Untergeschoss außer Nebenräumen auch ein Unterrichtsraum eingebaut würde. So kam man auf die Lösung, den Konfirmandensaal seitlich anzubauen.

Der Oberkirchenrat forderte auch, dass die Holzkirche einem später eventuell nötigen massiven Kirchengebäude nicht im Wege stehen dürfe. Im Juli 1929 wurde der Bauauftrag zum Preis von 58.000 Mark an die Lindauer Firma vergeben und Architekt Schwarz von hier mit der Bauleitung beauftragt. Um die Zahl der Sitzplätze auf 340 zu erhöhen, wurde die Seitenempore noch eingeplant und der Konfirmandensaal direkt mit dem Kirchenraum verbunden. Eine letzte Klippe war, dass einigen der Kirchengemeinderäte die Apostelfiguren, die an der Kanzel vorgesehen waren, zu teuer erschienen. So erhielt die Kanzel ihre heutige Gestalt. Regierungsbaumeister Seytter war für die Gestaltung des Innenraumes verantwortlich.

Beginn der Bauarbeiten

Im September 1929 wurden die Fundamentierungsarbeiten begonnen, am 1. Oktober der Auf- und Ausbau, am 16. Oktober konnte Richtfest gefeiert werden. Am 14. November 1929 wurde in den runden Turmknopf neben anderem eine Urkunde versenkt, die unterschrieben ist von den vier Pfarrern, die damals in Feuerbach amtierten: Hornberger, Walker, Leyers und Schmückle, dem Kirchenpfleger Wöger und den Kirchengemeinderäten Baitinger, Berger, Bleicher, Brauch, Eitel, Faber, Fischer, Häußermann, Kolb, Roser, Schnirring, Schwegler.

Am 21. Dezember 1929 beschäftigte sich sogar der Gemeinderat der Stadt Feuerbach mit der Föhrichkirche. Zu der geplanten Uhr mit drei Zifferblättern und Schlagwerk wurde von ihm ein Zuschuss erbeten. Zwei Fraktionen sprachen sich dafür, zwei dagegen aus. Mit 16 gegen 12 Stimmen wurde dann ein Beitrag von 800 Mark für die Kirchengemeinde bewilligt.

Die Einweihung

Einweihung am 16. März 1930

Der Einweihungstag am 16. März 1930 war dann ein Freudentag für die ganze Gemeinde, nicht nur für die Föhrichbewohner. Für sie waren an diesem Tag die Plätze in der Kirche reserviert. Vom Pfarrhaus bewegte sich ein Festzug durch die heutige Donnersbergstraße auf die Kirche zu. Der Architekt übergab den Schlüssel, den drei Mädchen feierlich hergetragen hatten, an Pfarrer Schmückle. In der Kirche nahm Dekan Kübler aus Bad Cannstatt die Weihe vor.

Kirchenpräsident Wurm hielt die Festpredigt über Jakobus 1,2-12. Sie begann mit den denkwürdigen Sätzen: „Wir haben eine Kirche öffnen dürfen. Anderswo werden Kirchen geschlossen." Und die Predigt endete: „Möge es in diesem Gotteshaus nie an Predigern fehlen, die das Wort Gottes mit Kraft und Nachdruck verkündigen! Möge es ihm nie an Zuhörern fehlen, die nach dieser Wahrheit und Weisheit verlangen und sie erproben in ihrem Leben." Das Schlussgebet sprach Pfarrer Hornberger, nachdem der Föhrichpfarrer noch eine Taufe vollzogen hatte.

Am Nachmittag war ein festlicher Kindergottesdienst. Fast 500 Kinder, davon 215 aus dem Föhrich, hatten sich eingefunden. Das von der Kinderkirche gestiftete Taufgerät wurde dabei überreicht. Dem Kirchengesangsverein (Kirchenchor der Stadtkirche), der morgens beim Gottesdienst sang, verdankt die Föhrichkirche ihr Abendmahlsgerät. Am Abend war ein liturgischer Gottesdienst, bei dem der Chor der Altpietistischen Gemeinschaft sang und Pfarrer Walker die Predigt hielt.

Im Evangelischen Gemeindeblatt war zu lesen: „Ohne äußeren Zierat, ohne Fahnenschmuck und Festmahl, ohne Redensarten und Menschenruhm, aber durchglüht von heiligem Glück und durchdrungen von den Klängen aus der ewigen Welt war mit dieser Feier ein Tag zu Ende gegangen, von dessen Stirn das Wort leuchten darf: Dies ist der Tag, den der Herr macht. Lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein." 

Kriegszerstörungen

Schon am 30. März 1930 fand die erste Konfirmation in der neuen Kirche statt. Als im Jahr 1934 die Stadtkirche grundlegend renoviert wurde, fungierte in dieser Zeit die Föhrichkirche als Hochzeitskirche für ganz Feuerbach.

Schon im Jahr 1936 wurde ein Neuanstrich der Außenwände nötig, bei einer Holzkirche nichts Außergewöhnliches.

Dann kamen der Krieg und die Bombenangriffe. Im Jahr 1944 wurde bei einem Großangriff auch die Föhrichkirche so in Mitleidenschaft gezogen, dass sie nicht mehr benützt werden konnte. Im Januar 1945 wurde festgestellt: „Die Mesnerin an der Föhrichkirche, Frau Emma Hiller, kann leider infolge weitgehender Zerstörung der Föhrichkirche ihren dortigen Dienst nicht mehr ausüben. Sie wird aber nach wie vor mit der Beaufsichtigung der Föhrichkirche beauftragt." Freiwillige Helfer und Nachbarn legten mit Hand an, als es an den Wiederaufbau ging. Der damalige Stadtvikar Majer-Leonhard war unermüdlich auch um die Föhrichkirche besorgt.

Der Konfirmandensaal wurde zuerst wieder benützbar gemacht, um dort Gottesdienste abzuhalten, später konnte man auch wieder in die Kirche.

Erweiterung und Veränderung

Föhrichkirche nach 1945

Im Jahre 1947 gehörten 4.500 Gemeindeglieder zur Föhrichkirche. Es wurde an eine Erweiterung des Saales gedacht. Kirchengemeinderat Raithelhuber erstellte den Plan. Nun war im Gemeindesaal Platz für 120 bis 140 Personen und darüber war noch eine Wohnung für den Pfarrer entstanden. Am 8. Oktober 1950 war der Einweihungstag, bei dem auch die neuen Glocken das erste Mal läuteten. Zum 25jährigen Jubiläum im März 1955 wurde gerade noch rechtzeitig unter Leitung der Kirchengemeinderäte Held und Raithelhuber das Innere der Kirche farblich neu gestaltet. Übrigens wurde auch im gleichen Jahr die Gustav-Werner-Kirche ihrer Bestimmung übergeben.

Bereits wenige Jahre später wurde ein Gutachten erstellt, in dem es heißt: „Der Gemeindesaal mit nur 80 qm Grundfläche wird sonntags durch Öffnen der Faltwände in den Gottesdienstraum einbezogen und ist voll belegt. Er dient wochentags als Kindergarten, Konfirmandenraum, Raum für Männerabende, Frauenabende, Jugendkreis, Kirchenchor und sonstige Veranstaltungen, ist also überbelegt. Besondere Jugendräume fehlen."

Im Januar 1960 kam der neue Baubeschluss zustande. Für die Planung zeichneten Kirchengemeinderat Gruber und Architekt Zscheile verantwortlich. Am 3. Dezember 1961 war der feierliche Abschluss nach einer langen Bauzeit. Seitdem bestand das Gemeindezentrum in seiner heutigen Gestalt mit Kirche, Gemeindesaal, Jugendräumen, Kindergarten und Wohnungen für Pfarrer und Mesner.

Umbauten und Erweiterungen nach dem 2. Weltkrieg

Renovierung 1976

Im März 1966 wurde beschlossen, die Orgel grundlegend zu erneuern. Im Jahr 1976 stand eine Instandsetzung und Renovierung des ganzen Kirchenraumes an, an dem seit 1955 keine Veränderung mehr vorgenommen worden war. Die Planung und Bauleitung lag in den Händen von Architekt Zscheile, die künstlerische Gestaltung hatte Kunstmaler Kohler übernommen. Eine neue Farbgebung, eine neue Heizung, eine neue Beleuchtung, eine neue Vorhalle, ein neuer Parkettboden und eine neue Verkleidung der Südwand waren nötig. Am Kreuz hinter dem Altar wurde eine geringe Veränderung vorgenommen.

Die deutlichste bauliche Ergänzung war die Neugestaltung im Bereich des Eingangs zur Kirche. In der geräumigen Vorhalle und auf dem Vorplatz entstanden Möglichkeiten, sich vor oder nach dem Gottesdienst aufzuhalten und miteinander auszutauschen. Die Gemeinde war froh, dass diese Vorhaben  - trotz damaligem Baustopp - durchgeführt werden konnten. Es musste sparsam mit den Mitteln umgegangen werden, denn mit dem geplanten Hattenbühl-Gemeindehaus mit Kindergarten stand zeitgleich ein weiteres Projekt bevor.

Umbau und Simultannutzung 2011

Aufgrund der stark zurückgegangenen Gemeindegliederzahlen wurde nach langen Beratungen im Februar 2010 vom Kirchengemeinderat beschlossen, den Standort Föhrichriche bis zum Jahr 2017 aufzugeben. Weitere Verhandlungen führten in der Folge zur Vermietung des Kirchenraums an die Russisch-orthodoxe Gemeinde und zum Umbau und Vermietung des Gemeindehauses an einen freien Träger als Kindergarten. Die Räume des Föhrichkindergartens wurden in diese Einrichtung integriert. Damit entschied sich die Gemeinde gegen Überlegungen, die Grundstücke als Baugelände freizugeben und an Investoren zu veräußern.

Bei diesem Umbau wurde in den Jahren 2010/11 der Gemeindesaal neben der Kirche verkleinert und komplett renoviert. Er steht mit moderner Sanitärausstattung und Teeküche weiterhin für Gemeindegruppen zur Verfügung. Die Gottesdienstzeit der evangelischen Gemeinde in der Kirche wurde auf Donnerstag Abend verlegt. 

Für die Nutzung als Kindertageseinrichtung wurde das Gemeindehaus aus Mitteln des freien Trägers im Inneren umgebaut und vollständig renoviert. Dabei wurde die Raumaufteilung behutsam an die neue Nutzung angepasst und die veraltete Elektroinstallation ersetzt. Aus den Mieteinnahmen konnte die Kirchengemeinde eine neue Wärmedämmung für den Anbau mit neuen Fenstern und Dacheindeckung und die Renovierung des Gemeindesaals mit einem neuen Zugang zum Vorplatz finanzieren.

In der Kirche wurde die Innenausstattung durch Umstellen und Erweiterung der Einrichtung für die Nutzung im orthodoxen Ritus verändert. Umbaumaßnahmen waren hierfür nicht nötig. Der Vorplatz im Eingangsbereich von Kirche und Saal wurde neu gestaltet und durch einen niedrigen Zaun vom Außenbereich für den Kindergarten abgetrennt.

Bei der feierlichen Eröffnung der neuen Einrichtung im früheren Föhrich-Gemeindehaus am 7. Juli 2012 knüpfte Pfarrer Günther Hauser daher an die Eröffnungsrede für die Föhrichkirche aus dem Jahr 1930 an und sagte: "Anderswo werden Kirchen geschlossen. Wir haben eine Kirche erhalten dürfen."

Auch für das frühere Hattenbühl-Gemeindehaus bedeutete diese wirtschaftliche Krise durch den Rückgang an Gemeindegliedern und Kirchensteuermitteln einen tiefen Einschnitt. Gemeinderäume und Einliegerwohnung im Obergeschoss wurden 2012/13 als Erweiterung für den bestehenden Hattenbühl-Kindergarten im Erdgeschoss vollständig umgestaltet und renoviert und am 20. Juli 2013 im Beisein von Dekan Klaus Käpplinger für den neuen Betrieb als "Kinderhaus Hattenbühl" eröffnet. Die Finanzierung für diesen Umbau erfolgte überwiegend durch die Stadt Stuttgart.

Trotz schwieriger Umstände ist es der Gemeinde durch diese Umnutzungen gelungen, beide Standorte im Wohngebiet mit ihrem architektonisch prägenden Charakter und mit erneuerter Bausubstanz zu erhalten und präsent zu bleiben (2015).

Mit Material aus den Festschriften von 1980 und 2000, Texten von Pfr. i. R. Bernhard Reusch und Bildern aus Privatbesitz von Frau Frida Braun.