Interview und Porträt Sebastian Hartwich

Name: Sebastian Hartwich

Stand: Glücklich in einer Beziehung seit 2011
Funktion: Erzieher in der roten Gruppe
Hobbys: Reisen, Natur, Musik, Kunst und Kultur
berufliche Qualifikation: Jugend- und Heimerzieher, Schwerpunkt Erlebnispädagogik

Im GWK seit: Oktober 2015, fest angestellt seit 1. März 2016

 

Interview:

Lieber Herr Hartwich, Sie sind Erzieher im Gustav-Werner-Kindergarten. Ein Mann in diesem typischen Frauenberuf, das macht neugierig! Wie sind sie dazu gekommen?

In aller erster Linie habe ich nach einer Tätigkeit gesucht, bei der ich das Gefühl habe etwas Gemeinnütziges zu tun und die mir persönlich einen Sinn gibt. In der Zeit in der ich mich beruflich neu orientierte, war mir recht schnell klar, dass ich im Bildungsbereich tätig sein möchte. Im zweiten Jahr meiner Ausbildung zum Jugend- und Heimerzieher absolvierte ich mein Tagespraktikum in einer amerikanischen Kindertageseinrichtung in Heidelberg. Dort war es normal, dass im Team männliche Erzieher, bzw. Educater arbeiteten. In meiner Generation geht es auch weniger um die Diskussion "Männer in Frauenberufen" oder "Frauen in Männerberufen", sondern eher um die Emanzipation des Individuums an sich. Frauen können Fußball spielen, an der Werkbank drehen und Autos bauen und Männer können  auch Einhörner malen, basteln, Trost und Geborgenheit spenden. Ich hoffe auch, dass es eines Tages kein Thema mehr sein wird. Schließlich steht unsere Gesellschaft vor sehr großen Herausforderungen, wie zum Beispiel, wie schaffen und erhalten wir Frieden zwischen den Menschen.

Von meinem Team erfahre ich immer volles Vertrauen und volle Unterstützung, und ich lerne viel von meinen weiblichen Kolleginnen und ihrem großen Erfahrungsschatz an Wissen, dafür bin ich sehr dankbar.

Und letztlich ist es ja einfach so, dass wir Menschen immer lernen. Das hat mit dem Geschlecht gar nichts zu tun, sondern hier ist die Bereitschaft das Fundament. Wir lernen von Jung und Alt, Mann und Frau, und das heutzutage  sogar global. 

Erleben Sie in Ihrem Arbeitsalltag, dass die Kinder oder ihre Eltern anders mit Ihnen umgehen, weil Sie ein Mann sind?

Allein durch meine Präsenz als Mann habe ich schon eine andere Wirkung auf Kinder als Frauen. Ich habe eine tiefere Stimme und trage einen dunklen Bart. Und ganz klar ist es so, dass ich für Jungen in bestimmten Lebensphasen, Jungen, die ohne Vater oder großen Bruder aufwachsen, als ein männliches Rollenvorbild präsent bin, dass Jungen die Erfahrung machen können, " so verhält sich ein erwachsener Mann". Doch muss ich mich dahin gehend abgrenzen. Es kann nämlich sein, dass genau diese Jungs nach ihrer Einschulung oder bei einem Einrichtungswechsel in ein Loch fallen können, somit bin ich hier in aller erster Profession Erzieher.

Von Eltern erfahre ich weitgehendst ein positives Feedback. "Endlich ein Mann in der Kita." heißt es oft. Aber ich spüre auch, dass ich hin und wieder unter Beobachtung stehe, dass Ängste mitschwingen. Männliche Erzieher müssen generell enorme Vertauensarbeit leisten. Wie schon gesagt, mein Team unterstützt mich sehr dabei. Für mich ist es einfach wichtig für alle Eltern und Erziehungsberechtigten präsent zu sein, dass meine Arbeit am Kind für Jeden transparent ist und das Eltern die Möglichkeit haben mich kennen zu lernen, im Tür- und Angelgespräch, beispielsweise. Dann können sich eventuelle Zweifel auch auflösen.

In dem Steckbrief, den Sie in der Kindergartenzeitung veröffentlicht haben, erfährt man u.a., dass Sie auch gelernter Koch sind. Haben Sie dadurch eine besondere Sicht auf das Thema Ernährung bei Ihrer Arbeit?

Nicht nur bei meiner Arbeit, auch privat. Doch bin ich mir nicht unbedingt sicher, ob das etwas mit meiner ehemaligen Tätigkeit als Koch zu tun hat. Geht es doch viel mehr um ein Bewusstsein dafür, was ich meinem Körper zuführe. Ernährung kann heilen, die falsche kann krank machen. Das Wissen darüber, ganz klar, lass ich in meine Arbeit mit einfließen, immer und überall. Und wenn es der zeitliche Rahmen und der Personalschlüssel  zulassen, dann heißt es: "Frisch auf den Tisch!" Ein Gericht frisch und lecker für ca. 80 Personen und alle packen mit an! Manche Kinder sehen vielleicht sogar zum ersten Mal, wie ein ganzes Gericht entsteht, mit viel Fleiß und Liebe - dann schmeckt es doppelt so gut.

Sie kommen ursprünglich aus NRW. Was gefällt Ihnen denn besonders hier in Schwaben bzw. womit haben Sie vielleicht Schwierigkeiten?

Mir gefällt besonders gut die Nähe zum Schwarzwald, quasi direkt vor meiner Haustüre. Ich bin gerne in der Natur, um Energie zu tanken oder um ganz einfach zur Ruhe zu kommen.

Schwierigkeiten? Sie ahnen es vielleicht schon. Also, ich kann bis heute sprachlich nicht einen Bräschtling von einer Grombiera unterscheiden.

Was ist Ihnen besonders wichtig bei Ihrer Arbeit mit Kindern?

Dass die Kinder bei ihrer Einschulung den Kindergarten, als selbstsichere und redegewandte Menschen verlassen. Mit viel Neugier auf ihr Leben und dass wir gemeinsam auf ein schöne Zeit zurück blicken können.

Haben Sie einen Wunsch an die Kirchengemeinde Feuerbach?

Ich wünsche mir weiterhin eine schöne und fruchtbare Zusammenarbeit.